Freitag, 11. Januar 2013

Video: Kreativität systemisch betrachtet von Prof. Peter Kruse


Prof. Peter Kruse beleuchtet in diesem Clip den Begriff der Kreativität aus systemischer Perspektive. Er bezeichnet Kreativität als indirekte Variabel. Kreativität ist nichts, was erzeugbar ist, sondern sich aus indirekten Möglichkeitsräumen ergibt.

Als indirekten Möglichkeitsraum gibt Prof Peter Kruse beispielhaft Diversity an. Es geht um die Arbeit mit systeminternen Spannungsverhältnissen. Diese Spannungsverhältnisse ergeben sich aus dem Wechsel von Prozessmustern, bedingt durch eine erhöhte Unterschiedlichkeit in einem System. Dieses aufgebaute interne Spannungsverhältnis führt zur instabilen Phasen eines Systems. Diese instabilen Phasen bieten dem System die Möglichkeit zum Übergang zu neuen Mustern. Dies bezeichnet Prof. Peter Kruse als Kreativität.

Sein Ratschlag lautet daher: Wenn die Kreativität im System gefördert werden soll, muss die Spannung im System erhöht werden. Diese Spannungserhöhung wird durch vermehrte Unterschiedlichkeiten im System geschaffen.  Einheitlichkeiten hingegen stabilisieren das System. So entstehen (neue) Ordnungsmuster in der Natur aus Widerspruch und nicht aus Harmonie. Querdenkern und Störern sollte eine Chance gegeben werden.

Was heißt das nun für das kunstpädagogische Handeln? Wenig Maßgaben ergeben einen weit gesteckten Rahmen, wodurch dem_der Teilnehmenden die Möglichkeit geboten wird, eigene Ideen umfangreicher umzusetzen. Gleichzeitig geht hiermit die Sicherheit, die dem_der Teilnehmenden durch eine große Anzahl an Maßgaben vermittelt wird, verloren - er_sie erhält weniger Orientierungspunkte von außen im Schaffungsprozess. Diese Minderung der Orientierungsunterstützung führt zur Instabilität des Systems. Wichtig hierbei ist zu beachten, dass dieses Forderungskonstrukt nicht zum Überforderungkonstrukt des_der Teilnehmers_Teilnehmerin wird, wodurch diese_dieser den Schaffungsprozesses abbricht. Oftmals ist der Abstand zwischen Überforderung und zu bewältigender Forderung nur sehr gering. Hilfreich sind in derartigen Erfahrungs- und Spielräumen vertraute Materialien, ein vorhandenes Repertoire an verschiedensten Gestaltungstechniken sowie der Zugang zum eigenen ästhetischen Empfinden. So steigt die Wahrscheinlichkeit der Vielzahl individueller Werke durch die Möglichkeit der Verwirklichung jedes_jeder einzelnen Teilnehmers_Teilnehmerin. Der Nährboden für kreative Prozesse ist geschaffen.